top of page

Du findest keinen Therapieplatz? 5 Tipps, wie du trotzdem Hilfe bekommen kannst

Aktualisiert: 4. Apr.

Aktuell gibt es leider eine extrem große Lücke zwischen dem Bedarf an Therapieplätzen und der tatsächlichen Verfügbarkeit vor allem bei den kassenärztlich zugelassenen Psychotherapeuten. Laut der letzten Erhebung der Bundestherapeutenkammer dauert es bei 40% der Patient:innen zwischen 3 bis 9 Monaten, bis sie die Chance auf einen Therapieplatz haben. Das ist eine ziemlich lange Zeit, vor allem wenn man leidet und verzweifelt nach Unterstützung sucht.


Was kannst du nun tun, um die Wartezeit zu überbrücken und auch heute schon Hilfe bekommen.


Doch bevor ich dir ein paar Tipps gebe: Was grundsätzlich gilt, bevor du dich auf die Suche nach therapeutischer Unterstützung machst (egal in welcher Form), ist es ganz wichtig, dass du zuallererst (d)einen Hausarzt / (d)eine Hausärztin aufsuchst und über deine Symptome sprichst. Häufig können Erkrankungen wie z.Bsp. eine Schildrüsenunter- oder überfunktion oder Mangel an Eisen oder Vitamin D ähnlich Symptome hervorrufen, wie die bei einer Depression oder Angststörung. In diesem Fall würde nur die Arbeit an deiner Psyche wahrscheinlich keinerlei Verbesserung an deiner Situation bringen. Damit du also gleich den Weg gehst, der am hilfreichsten ist und du nicht riskierst noch kranker zu werden, sollte das auf jeden Fall im Vorfeld abgeklärt werden.

Liegen keine organischen Ursachen vor, wäre der nächste Schritt sich im Rahmen einer psychotherapeutischen Sprechstunde bei einem kassenärztlich zugelassen Psychotherapeuten beraten zu lassen. Meist können die Hausärzte oder Hausärztinnen hier schon eine Empfehlung für einen Therapeuten aussprechen, den du kontaktieren kannst, oder du wendest dich an die Terminvergabestelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Diese erreichst du telefonisch unter 116 117 oder du kannst auch hier online selbst schauen. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass du dich selbständig auf die Suche machst, denn jeder Psychotherapeut, der über die Krankasse abrechnet, ist verpflichtet mindestens 2 (bei einem halben Praxissitz) und ansonsten 4 psychotherapeutische Sprechstunden á 25min pro Woche anzubieten. In dieser Sprechstunde wird von Seiten des Psychotherapeuten geklärt, ob und inwieweit der Bedarf an einer Psychotherapie besteht und es wird eine entsprechende Empfehlung für eine psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Akut­be­hand­lung, eine Richt­li­ni­en-Psy­cho­the­ra­pie oder für ei­nen an­de­ren Weg (sta­tio­nä­re Ver­sor­gung, Selbst­hil­fe etc.) abgegeben.

Leider ist das alles noch keine Garantie auf einen tatsächlichen Therapieplatz, aber du kannst dich damit gezielter auf die Suche nach einem passenden kassenärztlich zugelassenen psychologischen Psychotherapeuten mit einem freien Therapieplatz machen. Vor allem ist mit dieser Empfehlung auch sichergestellt, dass die später anfallenden Therapiekosten auch von der Krankenkasse übernommen werden.


Solltest du diesen Weg bereits gegangen sein und bislang noch nicht die passenden Unterstützung gefunden haben, dann könnten folgende Optionen ggf. auch noch interessant für dich sein:


TIPP 1: ONLINE-THERAPIE ANGEBOTE WAHRNEHMEN

Auch im Bereich der Psychotherapie macht die Digitalisierung keinen Halt. Mittlerweile gibt eine Vielzahl an Plattformen und Online-Angeboten, die sich auf die Themen psychische Gesundheit und die Prävention von der Chronifizierung psychischer Erkrankungen spezialisiert haben. Hier reicht das Angebot von Plattformen, die direkt Therapeuten für Online-Therapie vermitteln, wie zum Beispiel www.beavivo.de, www.instahelp.me/de/ oder auch www.minddoc.com bis hin zu internetgestützten Selbsthilfe Programmen, wie zum Beispiel www.selfapy.com und www.hellobetter.de, die vor allem bei Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Panikstörungen, Essstörungen, Schlafstörungen sowie Stress- und Burnout-Symptomatik eingesetzt werden können. Häufig werden die Kosten für die Teilnahme an diesen Programmen auch bereits über die Krankenkassen getragen. Alle Informationen, die hier, für dich wichtig sind, findest du auf den Internetseiten der jeweiligen Anbieter.


TIPP 2: PSYCHOTHERAPEUT:in OHNe KASSENZULASSUNG SUCHEN

Neben den kassenärztlich angemeldeten psychologischen Psychotherapeuten gibt es ebenfalls eine Vielzahl von Psychotherapeuten, die ohne Kassenzulassung arbeiten, und meist eher noch freie Therapieplätze haben. Hier müssen die Kosten für die Therapiesitzungen in der Regel selbst gezahlt werden. Die Kosten für eine Therapiestunde von 50 min richten sich hier nach der Gebührenordnung der Psychotherapeuten (GOB) und liegen bei ca. 110,00-150,00 € (abhängig vom Aufwand). Auch die nicht zugelassenen Psychotherapeuten arbeiten in der Regel nach den zugelassenen Richtlinienverfahren, d.h. hier musst du hinsichtlich der Qualifikationen und dem eingesetzten Verfahren keine Abstriche machen. Tipp für eine mögliche Kostenerstattung bei einer privaten Psychotherapie: Auch die Kosten für private Psychotherapie können über die Krankassen erstattet werden. Dazu musst du einen Antrag bei deiner Krankasse stellen und nachweisen, dass du trotz angemessener Bemühungen keinen zeit- und wohnortnahen Therapieplatz bei einem von den gesetzlichen Krankenkassen zugelassenen Psychotherapeuten oder einer zugelassenen Psychotherapeutin finden konntest. Alle unternommenen Kontaktversuche und Absagen solltest du deshalb protokollieren (Name der Ansprechperson, Datum, Uhrzeit, frühestmöglicher Therapiebeginn). Laut Bundespsychotherapeutenkammer kannst du dich in der Regel nach etwa 3-5 Absagen an eine Privatpraxis wenden. Mehr Informationen dazu findest du im Infoblatt der "Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung"



Tipp 3: HEILPRAKTIKER*IN FÜR PSYCHOTHERAPIE Nutzen

Neben den kassenärztlich zugelassenen psychologischen Psychotherapeuten und den privaten Psychotherapeuten gibt es ebenfalls noch die Gruppe der Heilpraktiker:innen für Psychotherapie, die Unterstützung bei der Bewältigung psychischer Belastungen bieten.

Auch die Heilpraktiker:innen für Psychotherapie haben eine Zulassung für psychotherapeutische Arbeit. Sie werden von Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie bei den prüfenden Gesundheitsämtern überprüft und nur zugelassen, wenn sie umfangreiche diagnostische und therapeutische Kenntnisse und die Fähigkeit nachweisen können.


Auf dem Gebiet der Psychotherapie wenden viele Heilpraktiker:innen für Psychotherapie wissenschaftlich anerkannte Psychotherapieverfahren an, bedienen sich aber auch alternativen Therapieverfahren und haben damit einen etwas größeren Spielraum ganzheitliche Verfahrensansätze anzubieten. Grundsätzlich dürfen Heilpraktiker:innen für Psychotherapie psychotherapeutisch mit seelisch oder psychosomatisch kranken Menschen arbeiten, aber auch mit Menschen in Lebensschwierigkeiten und Sinnkrisen.

Die Kosten für Heilpraktiker:innen (im Allgemeinen) müssen in der Regel privat gezahlt werden, da sie noch keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen sind. Die Kostenübernahme durch private Krankenversicherungen oder entsprechende Zusatzversicherungen ist in einzelnen Fällen möglich. Frag doch mal bei deiner Krankenversicherung nach.



Tipp 4: SELBSTHILFEGRUPPE ODER eine GRUPPENTHERAPIE SUCHEN

Auch Gruppentherapieangebote oder Selbsthilfegruppen können eine sehr sinnvolle Ergänzung zur psychotherapeutischen Behandlung wie auch eine gute erste Anlaufstelle bei psychischer Belastung sein. Gerade bei psychischen Problemen kann es sehr hilfreich sein, sich mit Menschen, die ähnliche Probleme haben, auszutauschen. Häufig fällt es in der Gruppe "Gleichgesinnter" leichter sich mitzuteilen und außerdem fördert die Umgebung das Gefühl von Zugehörigkeit und Verbundenheit. Vor allem auch zu merken, dass du mit deinen Themen nicht allein bist und du von anderen und deren Heilungsweg mit lernen kannst, kann sich bereits positiv auf dein eigenes Befinden auswirken. Doch wo kannst du solche Angebote finden? Eine gute Anlaufstelle kann hier zum Beispiel die NAKOS sein. Die Nakos ist die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, die eine Übersicht nach Wohnort bietet. Ebenfalls kannst du bei deiner Krankasse fragen, ob sie Angebote in ihrer Datenbank führen oder du schaust eigenständig im Internet nach. Gib dazu in der Google-Suche einfach "Selbsthilfe" wie auch den Schwerpunkt und deinen Ort ein (Beispiel: Selbsthilfe Ängste Berlin). Du bekommst dann eine Liste regionaler Angebote. Sollte für dich auch eine Online-Gruppentherapie infrage kommen, dann ist Peers. ein Anbieter, deren Angebot du dir einmal anschauen kannst.


TIPP 5: BERATUNGSSTELLEN AUFSUCHEN

Es gibt verschiedene Beratungsstellen, die du aufsuchen bzw. auch kontaktieren kannst, wenn es dir psychisch nicht gut geht und es dir immer schwerfällt deinen Alltag zu meistern. Unterscheiden kannst du hier in Anlaufstellen, die du in akuten Krisen (rund um die Uhr) erreichst und andere, die eher beratende und kurzzeitig begleitende Funktionen übernehmen.

Im Notfall kannst du bundesweit zum Beispiel die Telefonseelsorge anrufen. Unter 0800-1110111 und 0800-1110222 bekommen Erkrankte und Angehörige Soforthilfe. Die Hotline ist täglich 24 Stunden erreichbar, anonym und kostenlos. Du kannst sie auch per Chat & E-Mail erreichen. Auch der Rettungsdienst 112 und die Polizei 110 können in Akutsituationen kontaktiert werden.

Weitere Beratungsstellen sind u.a. der Sozialpsychiatrischer Dienst. Der Sozialpsychatrische Dienst ist meist an die Gesundheitsämter der Bezirke einer Stadt / Gemeinde / Landkreis angebunden und bietet Beratung, Unterstützung und Hilfe für Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie Menschen mit geistigen Einschränkungen und für deren Angehörige. In Berlin erreichst du den Sozialpsychiatrischen Dienst in der Zeit von 08:00 bis 16:00 Uhr unter 115. Nach 16 Uhr kannst du dich speziell in Berlin und Umland an den Berliner Krisendienst wenden. Hier findest du die Telefonnummer je nach Bezirk: https://www.berliner-krisendienst.de/. Eine weitere bundesweite Möglichkeit bietet das Info-Telefon der Depressionshilfe 0800 3344533 (Erreichbarkeit Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr sowie Mi, Fr: 08:30  12:30 Uhr) oder du kannst nach passenden Beratungsstellen und Krisendiensten auf der Seite der deutschen Depressionshilfe nachschauen. Hier der Link: Krisendienste der deutschen Depressionshilfe.* * Mir ist wichtig darauf hinzuweisen, dass ich keinerlei Garantie über die Richtigkeit und Erreichbarkeit der aufgeführten Nummern übernehme. Auch dient dies nicht der Krisenintervention, Beratung oder ersetzt eine ärztliche Konsultation. Auch bietet die Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Ich hoffe, dass der ein oder andere Tipp dir weiterhilft. Gern kannst du auch mich kontaktieren, wenn du weitere Beratung benötigst oder/und an einer Begleitung interessiert bist. Schreibe mir gern eine E-Mail an kontakt@janka-kemper.de und wir vereinbaren ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch.

11 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comentarios


bottom of page